
Gemeinsam einsam? Warum “paralleles Malen” die schönste Achtsamkeitsübung für Eltern und Kinder ist
Dieser Beitrag stellt das Konzept des “parallelen Kreativseins” als einfache Achtsamkeitsübung für Familien vor. Statt gemeinsam das Gleiche zu tun, sitzen Erwachsene und Kinder (ab ca. 4 Jahren) zusammen am Tisch, widmen sich aber altersgerecht eigenen Projekten. Während Erwachsene durch anspruchsvollere Aufgaben, wie Malbücher für Erwachsene, eine “produktive Ablenkung” (Flow) vom beruflichen oder digitalen Stress finden, erleben Kleinkinder mit einfachen Malbüchern (z.B. “Ostereier” oder “Bauernhof” von Jannis Knip) Selbstwirksamkeit. Und dies wie die “Großen”. Diese gemeinsame, ruhige Präsenz ohne Leistungsdruck stärkt die Verbindung und dient als “Digital Detox” im Alltag und schafft gemeinsame Momente.
Kennst du dieses Gefühl? Der Kopf brummt vom digitalen Dauerfeuer aus E-Mails und Social-Media-Nachrichten. Man sehnt sich nach einer Pause, doch gleichzeitig zupft ein kleines Wesen am Ärmel: “Mama/Papa, spielst du mit mir?”
Das schlechte Gewissen meldet sich sofort. Wir wollen präsent sein. Wir wollen gute Eltern, Tanten oder Großeltern sein. Aber sich jetzt auf den Boden setzen und zum hundertsten Mal Bauklötze stapeln, während die eigenen Gedanken Karussell fahren? Das fühlt sich oft nur nach noch mehr Anstrengung an.
Ohne große Philosophie dahinter, “keep it simple”, halte es einfach, locker und ehrlich. Diesem Ansatz folgend, haben wir eine tolle Strategie entdeckt: Du musst nicht immer mit dem Kind spielen, um für das Kind da zu sein. Die Lösung für gestresste Erwachsene und beschäftigungssuchende Kinder (ab ca. 4 Jahren) ist unglaublich einfach und liegt oft viel näher: auf dem Küchentisch. Wir nennen es “paralleles Kreativsein”.
Die Kunst der produktiven Ablenkung (Warum wir das Handy weglegen müssen)
Warum entspannt uns das abendliche Scrollen durch Social Media nicht wirklich? Weil unser Gehirn dabei passiv bleibt, aber ständig und schnell neue Reize verarbeiten muss. Einfach nichts zu tun, fühlt sich falsch an und funktioniert auch nicht. So kommt das Gehirn nicht zur Ruhe.
Wahre Erholung für den Kopf entsteht oft durch das Gegenteil: durch produktive Ablenkung.
Was vollkommen paradox klingt, ist aber ganz einfach zu verstehen. Damit ein Erwachsenenhirn den “Grübel-Modus”, die Dauerschleife der Gedanken ausschalten kann, braucht es eine Aufgabe. Diese Aufgabe muss nur zwei Kriterien erfüllen:
- Sie muss haptisch, fühl- und greifbar sein (Hände weg vom Bildschirm!).
- Sie muss komplex genug sein, um Fokus zu erfordern, aber nicht so schwierig, dass sie stresst.
Wenn wir Erwachsene uns auf eine detaillierte Zeichnung, ein komplexes Ausmalbild oder eine Skizze konzentrieren, kommen wir in einen “Flow-Zustand”. Die Sorgen treten in den Hintergrund, weil der Kopf mit Farben und Formen beschäftigt ist.
Die Aufgabe darf nur nicht mit dem Anspruch gefüllt werden, so schnell und effizient wie möglich abgehakt zu werden. In diesem Fall ist unbedingt der Weg das Ziel. Nicht das fertige Bild. Keine schweren Entscheidungen treffen, nur Farben auswählen, und auch ruhig unfertig liegen lassen. Das ist Achtsamkeit in ihrer reinsten, alltagstauglichsten Form.

Das Tisch-Ritual: Paralleles Malen = Jeder in seiner Welt, trotzdem verbunden
Hier liegt der Zauber des parallelen Malens. Du schaffst eine Atmosphäre der Ruhe. Handys werden bewusst in einen anderen Raum verbannt. Vielleicht läuft leise Musik, eine Tasse Tee und vielleicht auch eine Tasse Kakao stehen bereit.
Ihr sitzt gemeinsam am Tisch. Du bist ansprechbar. Du bist präsent. Aber Du bist nicht der Entertainer deines Kindes.
Das hat einen ganz wunderbaren psychologischen Effekt: Dein Kind sieht dich nicht gestresst auf einen Bildschirm starren, sondern vertieft und ruhig bei einer analogen Tätigkeit. Du wirst zum besten Vorbild für Konzentration und innere Ruhe deines Kindes. Dein Kind kann selbständig dieselbe Tätigkeit wie du ausführen. Diese “ko-kreative” Stille ist oft viel verbindender als ein erzwungenes gemeinsames Spiel.
Die richtige Ausstattung: Warum Niveau den Unterschied macht
Damit dieses Ritual funktioniert und nicht in Frust endet, ist eine Sache entscheidend: Altersgerechtes Material.
Es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass ein Erwachsener bei einfachen Schwungübungen entspannen kann – das führt nur zu Langeweile. Genauso wenig kann ein vierjähriges Kind komplexe Erwachsenen-Motive bewältigen – das führt zu Frust und Tränen. Und das ist mit paralleles Malen auch nicht gemeint.
Darum bekommt jeder sein Material, altersgerecht. Um hier das richtige zu finden, kann es nötig sein, einfach mal zu probieren was zu wem passt. Kalkuliere “Fehlkäufe” ein. Vielleicht passt ein Buch, eine Art Motive, ein Thema im Moment einfach nicht. Dann stelle dieses Buch einfach zur Seite. Es kann später plötzlich genau das Richtige sein.
Dies gilt natürlich für die Bücher von Erwachsenen und Kindern gleichermaßen. Finde einfach durch Probieren heraus, was im Moment gut ankommt. Es ist sicher etwas passendes zu finden. Geh selbst mit einer positiven Erwartung an die Sache, an ein Buch und probiere dich aus. Dein Kind wird dich dabei mehr beobachten und kopieren, als es vielleicht aussieht.
Für die kleinen Entdecker (ab ca. 4 Jahren): Klare Formen, großer Spaß
- Dicke, klare Umrisslinien: Sie verzeihen kleine “Ausrutscher” und helfen dem Kind, die Form wahrzunehmen.
- Große, einfache Motive: Ein Huhn, ein Traktor, ein großes Ei. Das Kind erkennt sofort, was es ist, und kann die Flächen selbstständig füllen.
- Das Ziel: Das stolze Gefühl: “Das habe ich ganz alleine gemacht!”, während Mama oder Papa nebenan arbeiten.

Für die Erwachsenen: Ihre anspruchsvolle “Me-Time”
Und Du? Du gönnst dir dein eigenes Projekt. Das kann ein Malbuch für Erwachsene mit tollen Bildern oder komplexen Mustern sein, ein Skizzenblock, in dem Du frei zeichnest, oder ein Handlettering-Übungsheft.
Wichtig ist nur: Es muss Dein Projekt sein. Etwas, das dich fordert und dir Freude macht. Diese 20 oder 30 Minuten gehören deinem Kopf. Es ist keine verlorene Zeit, es ist aktive Psychohygiene, eine heiße Dusche für deinen Geist.
Checkliste für Ihre kreative Auszeit am Familientisch
So gelingt der Start in euer neues Paralleles Malen Ritual:
- ✅ Digital Detox: Smartphones und Tablets konsequent weglegen (am besten außer Sichtweite), der TV und das Radio (Nachrichten) bleiben aus. Ruhige entspannende Musik ist allerdings ausdrücklich erlaubt!
- ✅ Gleicher Ort, unterschiedliche Welten: Alle sitzen am selben Tisch, aber jeder hat sein eigenes “Arbeitsfeld”.
- ✅ Passendes Material: Das Kind bekommt klare, einfache Vorlagen (z.B. Jannis Knip Bauernhof ab 4 J.), der Erwachsene etwas Anspruchsvolles (z.B. Jannis Knip Herbstwelten.).
- ✅ Kein Druck: Es geht nicht darum, Kunstwerke zu schaffen, sondern um die gemeinsame, ruhige Zeit. Wenn das Kind nach 10 Minuten keine Lust mehr hat, ist das auch okay. Das gilt auch für dich.
- ✅ Vorbild sein: Genieße deine eigene Tätigkeit sichtbar. Ruhe steckt an. Und du stehst garantiert unter Beobachtung
Fazit: Verbindung durch (echte) Anwesenheit
Wir müssen und sollen gar nicht immer die perfekten Spielkameraden sein. Manchmal ist das größte Geschenk, das wir uns und unseren Kindern machen können, eine halbe Stunde echte, ungeteilte Anwesenheit im analogen Hier und Jetzt. Probiere es aus, paralleles Malen kann ein echter Game-Changer sein. Stifte raus, Handy weg, und genieße die gemeinsame Stille.
Bist du bereit für entspannte Nachmittage? Stöbere hier durch unsere Malbücher für die Kleinsten und schaffe die Basis für eure gemeinsame kreative Auszeit.


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